Mit einem Auge am Teleskop? Darum brauchen wir mehr Transparenz bei Inspektionsdaten von Schiffen – und nicht weniger

April 11, 2019

Die Entscheidung des Paris MOU, die Verfügbarkeit seiner Inspektionsergebnisse zu begrenzen, untergrabe den Aufbau einer Sicherheitskultur auf der Grundlage des Datenaustauschs, so Paul Stanley, CEO von Global Navigation Solutions.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem die Schifffahrtsindustrie nicht dazu ermutigt wird, den Datenaustausch stärker oder schneller zu fördern, um eine „digitalisierte Arbeitsumgebung“ für alle Akteure zu erreichen.

Trotz der Herausforderungen der erforderlichen Transformation deuten zahlreiche Hinweise darauf hin, dass Reedereien, die ihre Arbeitsabläufe verbessern und Optimierungspotenziale verstehen wollen, dies mit besseren Daten tun könnten.

Uns liegen auch aussagekräftige Beispiele dafür vor, wo der Datenaustausch die Sicherheit fördern kann. Am deutlichsten zeigt sich dies in der verbesserten Wirksamkeit von Hafenstaatkontrollen, seit die Behörden damit begonnen haben, Daten zu teilen und öffentlich zugänglich zu machen.

Das Global Maritime Forum in Hongkong stellte vergangenes Jahr fest, dass der Datenaustausch das Potenzial hat, die Fragmentierung der Sicherheit im Seeverkehr zu überwinden. Inspiriert von den Praktiken der Luftfahrtindustrie könnte die Schifffahrt eine Plattform schaffen, die es internationalen Organisationen ermöglicht, sicherheitsrelevante Informationen zu sammeln, zu analysieren und zu veröffentlichen.

Aus genau diesem Grund kommt die Entscheidung des Pariser MOU, die Veröffentlichung von Massendaten mit Ausnahme der IMO und Equasis zurückzuziehen, so überraschend. Tatsächlich könnte die Organisation mit Blick auf ihre Entscheidung von Ende 2018 bereits zurückrudern und nach einer Vorstandssitzung im Mai begrenzten Zugang zu ihren Daten über PSC-Inspektionen gewähren.

Aus den von GNS analysierten und von den kombinierten MOU-Organisationen stammenden Ergebnissen lässt sich die klare Notwendigkeit erkennen, einen globalen Datenstrom aufrechtzuerhalten und diesen so weit wie möglich verfügbar zu machen, um weitere Verbesserungen in der Sicherheit zu erreichen.

Die Planzahlen sind insgesamt positiv: Die Anzahl der PSC-Inspektionen nimmt jährlich zu, in den letzten vier Jahren um vier Prozent, während die Zahl der Mängel im gleichen Zeitraum um acht Prozent zurückgegangen ist.

Wie zu erwarten war, lagen die Hauptursachen für Mängel im Jahr 2018 bei Lebensrettungsgeräten und Brandschutzmaßnahmen. Im vergangenen Jahr wurden im Vergleich zu 2014 rund 39 Prozent weniger Mängel im Navigationsbereich festgestellt. Das deutet darauf hin, dass der Umstieg auf eine digitale Navigation den Schiffen die Einhaltung von Vorschriften erleichtert hat.

Probleme mit nautischen Publikationen waren die dritthäufigste Ursache für Mängel im Jahr 2018; sie machten 39 Prozent der nautischen Mängel aus – vielleicht, weil sie am einfachsten zu identifizieren sind. Während die Mängel im Zusammenhang mit Papierkarten in diesem Zeitraum jedoch um 66 Prozent zurückgingen, stiegen die Probleme im Zusammenhang mit ECDIS und elektronischen Navigationskarten um den Faktor vier, als ein Großteil der weltweiten Flotte auf die digitale Navigation umstieg.

Die Verwaltung von ENC-Daten sollte eigentlich relativ einfach sein – obwohl unsere Untersuchungen gezeigt haben, dass viele Schiffsbetreiber dazu neigen, zu viele ENCs zu kaufen, und auch dann nicht immer die Daten erwerben, die sie tatsächlich benötigen.

Auf den zweiten Blick ist klar erkennbar, dass die Branche noch immer ein Problem mit der Sicherheit in der Schifffahrt hat. Wenn wir alle in den Kategorien Sicherheit gemeldeten Mängel kombinieren, stellen diese die beiden ersten Kategorien in den Schatten, obwohl sie wesentlich einfacher zu beheben sind.

Der Kern unserer Arbeit liegt in den Bereichen Sicherheit und Compliance, damit unsere Kunden ihre Leistung messen können. Zusätzlich geben wir ihnen die notwendigen Werkzeuge an die Hand, die es Anwendern einfacher machen, Probleme zu identifizieren und zu beheben.

Anstatt riesige Datenmengen zu durchforsten, stellen wir Informationen als eine Art Verwaltungsinstrument zur Verfügung, welches für jedes Schiff weltweit eingesetzt werden kann – unabhängig davon, ob es von GNS betreut wird oder nicht.

Das erste Quartal 2019 hat auf tragische Weise gezeigt, wie viel Arbeit noch erforderlich ist, um die Sicherheit in der Schifffahrt zu verbessern. Die Lösung kann jedoch nicht darin bestehen, die Daten zu entfernen, mit denen Zertifizierungsstellen, Risikomanager und Dienstleister Schiffsbetreibern zeigen können, wo ihre größten Risiken liegen.

Ohne einen vernünftigen Überblick und die Fähigkeit, eine Verbindung zwischen den einzelnen Punkten herzustellen, ist es für Reedereien viel schwieriger zu erkennen, welche Maßnahmen sie ergreifen müssen. Wenn jetzt ein kritischer Datenstroms wegfällt, untergräbt das den Prozess des Sicherheitsmanagements und erhöht die Risiken – und das zu einem Zeitpunkt, an dem eigentlich mehr Transparenz erforderlich ist.