Global Maritime Forum legt datengesteuerte Strategie fest

March 14, 2019

Gesprächsrunden gibt es in der Schifffahrtsindustrie wie Sand am Meer. Die schiere Anzahl von Konferenzen und Veranstaltungen ist verwirrend und die Menge der heißen Luft, die dabei erzeugt wird, könnte ein mittelgroßes Frachtschiff antreiben.

Das Global Maritime Forum (GMF) ist da anders; es erinnert mehr an das Weltwirtschaftsforum in Davos, die Teilnahme erfolgt nur auf Einladung, und Ziel ist es Ergebnisse zu erzielen, nicht nur Meinungen hervorzubringen.

Das letztjährige Treffen in Hongkong beschäftigte ging es in den verschiedenen Arbeitsgruppen um zahlreiche Themen, wobei der Schwerpunkt jedoch klar auf einem Punkt lag: Daten.

Digitale Technologien tragen zur Transformation vieler Branchen, einschließlich der Schifffahrtsindustrie, bei; die Schlüsselfrage ist, wie sie dazu beitragen können, das Problem der Sicherheit im Seeverkehr durch gemeinsame Aktionen und den Austausch von Daten anzugehen.

Die Daten für die Zukunft der Schifffahrt sind so wichtig, dass fast ein Drittel der Arbeitsgruppen des Forums sich mit diesem Thema beschäftigten. Die Schlussfolgerungen könnten dazu beitragen, die Zukunft des Betriebs, der Effizienz und der Sicherheit von Schiffen zu gestalten.

Die gemeinsame Herausforderung für die Branche besteht darin, einen Weg zur Zusammenarbeit zu finden, der das ganze Potenzial von Daten nutzt. Das Forum hat für 2030 eine ehrgeizige Strategie entwickelt: Sicherheitsvorfälle um 70 % zu reduzieren, Versicherungskosten um 50 % zu senken, Ölkatastrophen oder Todesfälle zu verhindern, und das alles durch die Verwendung und den Austausch von Daten.

Ein Ausgangspunkt wäre die Identifizierung vorhandener Datenflüsse und Hebelsysteme an Bord von Schiffen, um die Menge der verfügbaren Daten zu erhöhen. Dies würde einen Ausbau der Datenerhebung ohne neue Kapitalinvestitionen ermöglichen. Der nächste Schritt wäre die Prüfung der Einrichtung einer branchenweiten Plattform für den Austausch sicherheitsrelevanter Daten.

In Anbetracht der traditionellen Präferenz der Branche für Opazität gegenüber Transparenz könnte die Entwicklung eines Businessplans zu einem Pilotprojekt führen. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse könnte dann ein Fahrplan für die Einführung der Initiative in die gesamte Branche entwickelt werden. Dies könnte auch genutzt werden, um Initiativen zum Datenaustausch im Zusammenhang mit anderen gemeinsamen Herausforderungen in Bezug auf die Kraftstoffeffizienz oder die Optimierung von Lieferketten einzuleiten.

Es ist wichtig, zwischen zwei Arten von digitalen Geschäftsmodellen zu unterscheiden: eines erhöht die Wettbewerbsfähigkeit auf Unternehmensebene, das andere verbessert die Fähigkeit, gemeinsame Herausforderungen auf Branchenebene anzugehen.

Da Unternehmen in der Regel nicht bereit sind, wirtschaftlich sensible Daten oder Ideen auszutauschen, lag der Schwerpunkt darauf, wie digitale Geschäftsmodelle genutzt werden können, um gemeinsame Branchenherausforderungen zu bewältigen, wobei die Sicherheit ein besonders naheliegender Bereich ist.

Der GMF stellte fest, dass der Datenaustausch das Potenzial hat, die Fragmentierung der Sicherheit im Seeverkehr zu überwinden. Inspiriert von den Praktiken der Luftfahrtindustrie könnte die Schifffahrt eine Plattform schaffen, die es internationalen Organisationen ermöglicht, sicherheitsrelevante Informationen zu sammeln, zu analysieren und zu veröffentlichen.

Ein Ansatz könnte die Einrichtung einer Open-Source-Plattform für den Informationsaustausch über die Leistung von Seeleuten sein, die Unternehmen nutzen könnten, um die Leistung zu bewerten. So eine Plattform würde es ihnen zudem ermöglichen, Kapitäne mit den richtigen Qualifikationen und einem soliden Sicherheitsnachweis einzustellen.

Das Ganze wäre also eine Art Datenbank, die später auf andere wichtige Personalgruppen ausgedehnt werden könnte.

Wichtige Themen sind unter anderem Datenschutz und der Umgang mit rechtlichen Fragen. Das Forum identifizierte ein breites Spektrum von Interessengruppen, die an der Entwicklung und Weiterentwicklung der Idee beteiligt sein müssten, darunter Versicherungsunternehmen, Reedereien, Hafenbehörden, Klassifikationsgesellschaften und Flaggenstaaten.

Die Nutzung von Daten zur Bewältigung der Herausforderungen, vor denen die Schifffahrtsindustrie steht, erfordert auch neue Wege der Zusammenarbeit: den Aufbau von Vertrauen, die Entwicklung gemeinsamer Normen und die Verbesserung der Transparenz.

Die Sammlung und gemeinsame Nutzung vertrauenswürdiger Daten ist die Grundlage für den Einsatz digitaler Technologien zur Leistungssteigerung, aber der tatsächliche Wert von Daten wird durch die Kombination dieser Daten freigesetzt, anstatt Daten innerhalb jedes einzelnen Unternehmens oder Stakeholders zu speichern.

Auf diese Erkenntnis folgt jedoch eine ganz besondere Frage: Wie schaffen wir die erforderlichen Bedingungen, Normen und Instrumente für den Datenaustausch in der Schifffahrt?

Es gibt Beispiele: Die Wirksamkeit der Hafenstaatkontrolle wurde erheblich verbessert, als die Behörden damit begannen, Daten auszutauschen und öffentlich zugänglich zu machen. Die Branche könnte sich auch von der Luftfahrtindustrie inspirieren lassen, der es gelungen ist, ein branchenweites System zum Informationsaustausch zu schaffen, das zur Verbesserung der Sicherheit eingesetzt wird.

Auch die Entwicklung einer standardisierten Sprache innerhalb der Branche, die für den Datenaustausch verwendet werden könnte, ist notwendig. Weitere damit zusammenhängende Fragen sind die Sicherheit und der Umgang mit den Zugriffsrechten auf die Daten, da Unternehmen natürlich Angst davor haben, möglicherweise zu viele Informationen zu teilen.

Nur wenige in der Branche wären bereit, Daten mit kommerziellen Unternehmen zu teilen. Ein neutrales Leitungsorgan mit einer verwaltenden Rolle, ähnlich der IMO, könnte eine Plattform für den Datenaustausch zu ermöglichen.
Tatsächlich könnte sich der Datenaustausch in naher Zukunft von einer Möglichkeit zur Leistungssteigerung zu einer verpflichtenden Anforderung entwickeln, da die Echtzeitüberwachung zu einer Forderung von Kunden und Charterern sowie von Regulierungsbehörden werden könnte.

Letztendlich steckt aber mehr hinter Daten als Bits und Bytes. Um in der digitalen Wirtschaft erfolgreich zu sein, so der GMF abschließend, reiche es nicht aus, digitale Geschäftsmodelle zu übernehmen oder digitale Lösungen einzusetzen.

Stattdessen bedürfe es einer mentalen Transformation: einer Denkweise, die für die digitale Wirtschaft der Zukunft geeignet ist. Zu verstehen, dass digitale Technologien Chancen und keine Bedrohungen sind, sei wichtiger als jedes spezifische digitale Geschäftsmodell oder jede digitale Lösung.