2019 und so weiter

January 24, 2019

Dass die Schifffahrtsbranche 2019 sich mit zahlreichen unsicheren Faktoren konfrontiert sieht, ist nicht wirklich neu. Hier sind jedoch fünf Dinge, von denen wir mit ziemlicher Überzeugung behaupten können, dass sie in diesem Jahr wahrscheinlich passieren werden.

  1. Der Druck auf den Regulierungsprozess wird anhalten.

Nachdem die IMO endlich das Ballastwasser-Übereinkommen umgesetzt hat, hätte sie sich in 2018 und 2019 wahrscheinlich etwas weniger Aufmerksamkeit erhofft. Dieser Wunsch wird sich allerdings nicht erfüllen. Mit der Festlegung des Jahres 2020 als Frist für die Einführung der Schwefelobergrenze hat die IMO etwas erreicht, was viele zuvor für unmöglich gehalten hatten. Mit einer derart bedeutsamen Veränderung erregte sie auch weit über das Spektrum der normalerweise an der Schifffahrt interessierten Akteure viel Aufmerksamkeit.

Insbesondere nach der Zulassung von Wäschern als Alternative zur Verwendung von schwefelarmem Kraftstoff wurde Kritik laut, man verlagere das Problem eher, als es zu lösen. Die Aufmerksamkeit der Medien wird mit der Zeit nachlassen, sofern der Handel nicht negativ beeinflusst wird. Die Auswirkungen werden aber weiterhin spürbar bleiben –

besonders dann, wenn die IMO die Debatte auf 2030 und 2050 lenkt. Bis zu diesen Fristen hat sie sich verpflichtet, in der Schifffahrt Maßnahmen zur Senkung der CO2-Emissionen umzusetzen.  Wie Chris Chatterton, Chief Operating Officer des Methanol Institute, vor Kurzem sagte, wird 2020 neben 2050 wie ein Kinderspiel aussehen, so groß ist die Herausforderung, eine ganze Branche zu „dekarbonisieren“.

So könnte es sich schwierig gestalten, die Konzentration der Branche auf eine derart weit in der Zukunft liegende Frist zu lenken, wenn es eine Reihe kurzfristiger Probleme gibt.

  1. Die Probleme des Welthandels werden sich auf die Schifffahrt auswirken.

Nach einem Jahrzehnt des Abschwungs stand die Schifffahrt in den letzten Jahren kurz vor einem konzertierten Aufschwung, welcher von einer erstarkten US-Wirtschaft, dem Potenzial der chinesischen Initiative „One Belt, One Road“ sowie einer stabileren Eurozone getragen wurde.

Während die ersten beiden Punkte weiterhin Auftrieb geben, sieht es um die Gesundheit der europäischen Volkswirtschaften weniger gut bestellt aus. Für das Vereinigte Königreich dürfte die Entscheidung, die EU zu verlassen, zudem ein weiterer Schlag für die Landeswährung und den Aktienmarkt sein, ganz zu schweigen von den möglichen physischen Auswirkungen auf die Handelsströme zwischen dem Vereinigten Königreich und Europa. Für diejenigen, die mit der Handelsvolatilität Geschäfte machen, könnte es ein spannendes Jahr werden.

Die US-Politik ist weniger berechenbar als je zuvor, und trotz einer florierenden Wirtschaft und geringen Arbeitslosigkeit ergreifen Schlüsselindustrien Maßnahmen, um Verluste zu verringern, da die Auswirkungen des Handelskrieges des Präsidenten langsam spürbar werden. Die Auswirkungen werden auch in Europa fühlbar sein, jedoch verfügt die Kommission hier über keine ähnlichen politischen Hebel. Anders als den USA fehlt es Europa zudem an Schieferöl und -gas, welche sich nicht nur als Kraftelixier für die Nachfrage nach Tankermeilen erweisen, sondern auch als wirtschaftliche Waffe eingesetzt werden.

Die Befürchtungen um die chinesische Wirtschaft haben bereits zu Schwankungen an den globalen Aktienmärkten geführt, und dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Dennoch kann China Schritte unternehmen, um sich bis zu einem gewissen Grad zu isolieren, indem es seine eigene Wirtschaftsstrategie an vorderste Stelle setzt. Staatliche Impulse statt organischem Wachstum scheinen in diesem Jahr zudem die wahrscheinlichere Maßnahme zu sein.

  1. Die Technologie wird sich weiter entwickeln (wenn auch nicht unbedingt geradlinig).

Eine der hoffnungsvollsten Entwicklungen der letzten Jahre ist das Ausmaß, in dem Start-ups die Schifffahrt als eine Branche mit Problemen bei der Einführung neuer Technologien identifiziert haben. Auf der ganzen Welt entstehen neue Initiativen, die von frischem Kapital und missionarischem Eifer getragen werden.

Wie viele von ihnen ihre Zukunft in der Branche sehen und wie viele lieber den typischen Dotcom-Ansatz verfolgen, bleibt abzuwarten. Dass einige etablierte Industrieunternehmen ihre eigenen Innovationslabors eingerichtet haben, deutet darauf hin, dass sie offen für die Möglichkeiten, jedoch pragmatisch bei der Umsetzung sind.

Am reiferen Ende des Marktes geht der Trend zur Konsolidierung und zur Erkenntnis, dass Anbieter – oder auch Klassifikationsgesellschaften –, wenn sie technologiebasierte Lösungen für Emissions- oder Energieeffizienzprobleme anbieten wollen, einen unternehmerischen Ansatz verfolgen müssen.

Nirgendwo wird dies deutlicher als bei den Unternehmen, die am lautesten gegen Disruption und Autonomie gewettert haben. Für beide dieser Themenbereiche ergeben sich jedoch ebenfalls zahlreiche Veränderungen, da viele Akteure die Schifffahrt als eine undankbare Landschaft sehen, in der man viel Zeit mit Technologie und wenig Zeit mit Kunden verbringt.

  1. Reedereien werden auch weiterhin verstärkt auf intelligentere Verfahren setzen (meist aus Kostengründen).

Beim Thema Technologie wird allzu oft übersehen, was Reedereien wirklich wollen und wie sie es umsetzen können. Es gibt einige Must-Haves, wie z. B. die Datenerfassung, Analyse und Bereitstellung für eine höhere Kraftstoffeffizienz und strengere Betriebsabläufe. Wir müssen jedoch akzeptieren, dass nur besonders mutige Reedereien in die Transformation ihrer Unternehmen investieren, ohne erhebliche Kosteneinsparungen als Motivation zu haben.

Von der Kraftstoffqualität bis hin zu den Navigationsdaten ist es wichtig, auch das Thema Sicherheit nicht zu vergessen, da auch im Jahr 2019 Hacker-Angriffe und Cyberbedrohungen eine zentrale Rolle spielen werden. Das ist kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, wie viel Aufholbedarf die Schifffahrt mit Blick auf die Infrastruktur des 21. Jahrhunderts hat, die sie benötigt, um neuartige Anwendungen nutzen zu können.

Mit zunehmender Konnektivität wird sich das Problem verstärken – und das nicht nur im herkömmlichen Sinne, sondern insbesondere dort, wo Anbieter neue Wege gehen, um Vermögenswerte zu vernetzen. Auf lange Sicht werden neue Arten von Konstellationen diese Dynamik weiter verändern. Es ist jedoch keine nachhaltige Option, sich vor diesem Hintergrund zu isolieren.

Allgemein kann man sagen: Wenn die Branche intelligenter werden soll, muss sie immer noch Wege zur Zusammenarbeit finden, ohne an Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen, mit anderen teilen, ohne selbst zu verlieren, und über den Tellerrand der eigenen Lieferkette hinausdenken.

  1. Der Streit um IMO202020 geht weiter.

Zum Schluss knüpfen wir noch einmal an unseren ersten Punkt an. Der Januar 2020 (und die Monate davor) werden eine turbulente Zeit, auch wenn die Prognosen zu Störungen des Seehandels mittlerweile weniger negativ ausfallen.

Eine kürzlich veröffentlichte Analyse von Maritime Strategies International deutet darauf hin, dass Raffinerien in der Lage sein werden, die Nachfrage nach konformen schwefelarmen Kraftstoffen im Jahr 2020 zu decken – wenn auch nicht in großem Umfang. Sie prognostiziert auch eine angemessene Menge an Verstößen gegen die neue Richtlinie, und man kann sich durchaus vorstellen, wo dies geschehen könnte: abseits der öffentlichen Meinung und aktiver Hafenstaatkontrollen.

Der Großteil der Branche scheint die Kosten auf die eine oder andere Weise weitergeben zu wollen – einige werden den Kunden belasten und dadurch geringere Margen verzeichnen, andere verlangen einen Aufschlag, da sie weiterhin billigere schwefelreiche Kraftstoffe verwenden und die Kosten auf diese Weise amortisieren.

So oder so werden sich die Auswirkungen nicht auf dieses Jahr oder bis 2020 beschränken, und die Auswirkungen werden weiterhin in der gesamten Branche spürbar sein. Wie immer verspricht es, ein aufregendes Jahr zu warden.